Das lange Warten hatte endlich ein Ende. Nach einem fast unendlich lange dauernden Coronajahr, durfte endlich der Traunsee Bergmarathon über die Bühne gehen.
Die neuen Organisatoren Martin Schimpl und Martin Eisenknapp übernahmen mit den Naturfreunden dieses freudige Ereignis und machten daraus ein wahres Heimat- und Läuferfest der Extraklasse.
Das Einzige, das etwas schade war, ist die Tatsache, dass ich als einziger die SKDO Flagge rund um den Traunsee gehisst habe.
Jedoch wurden bei der traditionellen Bergmarathonparty am Tag danach sehr große Töne gespuckt, dass nächstes Jahr intensiv aufgestockt wird. Ich nehme euch beim Wort 😊
Aber jetzt zum Rennen.
Eine markante Änderung zu den Vorjahren war, dass alle gleichzeitig um 3:00 den Rathausplatz in Gmunden verlassen. Mit meinen Freunden Robert Weixelbaumer und Wolfgang Kronberger bewaffnet, attackieren wir zügig Richtung Grünberg um dem größten Stau etwas zu entkommen. Unterwegs treffe ich Rick Grünwald der „Neukirchen läuft“ Laufkollege und Ultra Veteran drosselt meine Anfangseuphorie, wir nehmen etwas Tempo raus, der Tag ist ja noch jung. Doch das erste Highlight lässt nicht lange auf sich warten, denn am Grünberg wurden starke Lautsprecher aufgebaut und AC/DC grölt über den ganzen Berg. Absolut geniale Idee. Nach dem kurzen Anstieg und dem Trail runter mit einer sensationellen Flugeinlage von Rick sind wir schon am Gedenkstein. Dann aber der erste Schock, Weixi sagt, dass er umgeknickt ist und nicht mehr weiter laufen kann. Ich versuche ihn noch zu überreden, dass er es noch etwas probieren soll, jedoch wusste er es besser und beendete in der starken Form, in der er sich befand das Rennen. Das Foto, das er mir am gleichen Tag noch schickt, zeigt das er es definitiv besser wusste. Alles Gute mein Freund, 2022 wird kommen.
Vom Schock erholt wird der Traunstein in Angriff genommen. Wolfgang hat nicht nur die längeren Beine, sondern auch die schnelleren an diesem Tag. Und so lassen Rick und ich ihn ziehen. Bei perfekten Temperaturen geht es zum Naturfreunde Haus. Ein kurzer Stopp bei der Hütte und schon geht es runter über die Mair Alm zum Kaisertisch. Durch eher wenig Höhenmetertraining dieses Jahr ist meine Taktik klar, bergab ungewöhnlich viel Drosseln damit ich mir die Beine nicht kaputt mache. Beim Umstehen für einen schnelleren Läufer strecke ich mein Bein jedoch so blöd, dass es mir einen Krampf an der Oberschenkelinnenseite aufzieht. Ein Krampf um diese Zeit, das kann ja heiter werden, denke ich mir. Aber mit einer Salztablette und einer kleinen Pause am Kaisertisch werden die Beine gleich wieder etwas lockerer. Der Lauf nach Karbach vergeht wie im Flug, und nach kurzer Rast vor dem Einstieg wird der Spitzelstein in Angriff genommen. Bergauf sind die Beine echt gut und so schließe ich schnell wieder zu Rick auf, der es immer etwas eiliger an den Verpflegungsstellen hat, wie ich. Nach kurzer Rast bei der Spitzelsteinalm wird der Trail runter wieder langsam angegangen, Rick dagegen startet voll durch, was aber einen Krampf bei ihm zufolge hat. Und so treffen wir gleichzeitig in Rindbach ein. Dort erwartet uns SKDO „Obmann“ Roman, der mich bis nach Gmunden (außer Feuerkogel) zurück begleitet. Nach 5.10h treffen wir in Ebensee ein. Eine traumhafte Volksfeststimmung mit 360 laufhungrigen Halbmarathonies, die nur darauf warten, dass es endlich los geht. Mit dabei mein Bruder Philipp, der sich erstmals dieses Erlebnis gönnt. Er motiviert mich nochmals und schickt schöne Grüße nach Hause, das alles in Ordnung ist.
Nach 5.15h verlasse ich die Verpflegungsstation, Rick war wieder schneller weg, jedoch muss er sich auf den Stufen zum Kalvarienberg wieder einem Krampf beugen, er tut mir irgendwie leid aber seine Turnübungen sind doch sehr amüsant zum ansehen 😉. Aber ein Rick lässt sich nicht abschütteln, und so ist er schnell wieder bei mir und wir traben auf den Feuerkogel. Mitten am Berg schließen die ersten des Halbmarathons, angeführt von Hain Gregor und Legenden wie Willi Riederer, auf uns auf.
Endlich am Naturfreundehaus angekommen werden die ersten Verschleißspuren sichtbar. Starke Kreuzschmerzen und Sprunggelenksprobleme begleiten mich Richtung Kreh. Mit Rick kann ich nicht mehr mithalten und so konzentriere ich mich nur noch auf meinen Körper, dass ich halbwegs unbeschadet in die Kreh komme. Kurz vor der Forststraße holt mich Philipp ein. Er will mit mir gemütlich runterlaufen, dass lasse ich aber nicht zu und zwinge ihn zum Sololauf. Ist ja schließlich ein Rennen. Gezeichnet vom Abstieg warten neu „Coach“ Ernst und Heidi auf mich und natürlich Roman, der mich ab jetzt begleitet. Ich lasse mir Zeit bei der Verpflegungsstation und gönne mir ein gutes Seiterl was Motivation und Körper sehr aufbaut. Der Körper erholt sich und es ist immer wieder überraschend wie nahe DNF und „Beine zum Bolzen“ beisammen liegen, aber das weiß man nur, wenn man einen Ultra läuft.
Die Kreuzschmerzen vergehen und bergauf bekomme ich wieder richtig gute Beine, sodass ich sogar wieder Philipp und Rick einhole. Nur bergab zwickt es noch immer beim Sprunggelenk, was auch nicht mehr besser wird im Laufe des Rennens. Die Hochsteinalm nehmen wir im Vorbeilaufen und in Mühlbach warten wieder Ernst, Heidi und mein Schwager Patrick mit der Radbegleitung. Ich kann wieder richtig gut laufen, Roman motiviert mich und so geht es zügig zum Grasberg, der Highway to Hell ist heuer nicht schlimm da die Bergaufmuskeln nur so strotzen. Philipp schaut etwas ungläubig, als er mich vor der Verpflegungsstation bei ihm vorbeilaufen sieht. Wir motivieren uns gegenseitig und so ist der Gmundnerberg kein Problem mehr. Einzig die Bergabpassage bereitet mir nach wie vor enorme Probleme. Aber mit dem Ziel vor Augen läuft es sich leichter. Philipp schafft die Premiere nach 4:45h, starke Leistung! Nach einem traumhaften Zieleinlauf mit meiner kleinen Tochter ist das Rennen auch für mich nach 10.16h zu Ende. Eine gute Stunde langsamer als meine Bestzeit jedoch gibt’s es einen Jungpapa Bonus hat man mir erzählt 😉
Wieder einmal ein wunderbares Rennen und an dem Titel „schönster Berglauf Europas“ ist sicher was dran.
Der Respekt für die erbrachten Leistungen wird bei diesem Event ganz groß geschrieben, deshalb macht es alles auch so einzigartig.
Riesenkompliment an die Veranstalter, an die Naturfreunde, an die Bergrettung und an die zahllosen freiwilligen Unterstützer, die diese schwierige Zeit trotzen, und uns so ein Stück Normalität zurückgebracht haben.
Meinen tiefen Respekt an alle Finisher.
Rock on
David Kapsamer
