Am 05.05.2015 machte sich Matthias mit seiner besseren Hälfte Sonja und einer kleinen Abordnung, die aus Benji, the self destroyer, Thomas Heissl und Sigi Reisenbichler von Never Come Back bestand, auf nach La Palma. Nun vielleicht die berechtigte Frage was man Anfang Mai auf den Kanaren so macht? Entweder Urlaub oder einen der härtesten Ultratrails unter der Sonne! Die Jungs entschieden sich für Zweiteres. Jedoch wurde der Versuch gestartet, das Ganze so angenehm wie möglich zu gestalten. Sonne, Strand und Meer war ja zur Genüge vorhanden! ;-)

Der Ultra stand am Samstag den 09.05.2015 am Programm, wobei auch schon am Donnerstag den 07.05.2015 der VK (Vertical Kilometer mit 6,6 km und 1160 hm) ausgetragen wurde. Die beiden Läufe sind Teil der SKY RUNNER WORLD SERIES und somit stehen jedes Jahr die Besten der Besten Trailrunner am Start! Wir starteten „nur" beim Ultra mit dem furchteinflößenden Namen „Transvulcania" und nutzen die paar Tage bis dahin noch mit Streckenbesichtigung und Akklimatisation; hatte es doch schon bis an die 35 Grad auf La Palma und diese Temperaturen für uns bis dato in Österreich noch nicht präsent waren!

Aber nun möchte ich die Frage beantworten, um was es sich beim Transvulcania Ultramarathon eigentlich handelt! Bei diesem Lauf gilt es eine Strecke von 73,3 km und 4415 positive hm zu überwinden. Ca. 98 % der Strecke bestehen aus atemberaubenden Trails, die verbleibenden 2 % sind Schotter- bzw. Asphaltstraßen. Gestartet wurde um 06:00 Uhr in Fuencaliente beim Leuchtturm, also Meeresniveau. Auf den ersten 25 km werden gleich einmal die Hälfte der Höhenmeter absolviert, um dann Schritt für Schritt über teils sandiges bis sehr grobes Lavagestein zum Los Muchachos zu gelangen, mit 2426 Metern der höchste Punkt des Marathons und der Insel! Hier hat man nun an die 50 km in den Beinen. Von da an geht es die 2426 hm mit ca. 20 km Wegstrecke (!) wieder hinunter zum Hafen nach Tazacorte. Auf den letzten gut 3 km ins Ziel nach Los Llanos gilt es noch 300 hm zu überwinden um dann dem Ziel am Hauptplatz von Los Llanos entgegen sprinten zu können!

Samstag 02:00 Uhr: der Wecker läutet. Ich mache mich auf leisen Sohlen auf in Richtung Küche, um Benji und mir ein Frühstück zuzubereiten. Wir teilen uns ein Appartement in Los Llanos. Gefrühstückt wird Altbekanntes; nur keine Experimente vor einem Lauf. Das könnte im wahrsten Sinne des Wortes nach hinten los gehen! :-) Kurzer Check noch der (Pflicht)-Ausrüstung, Wasserflaschen gefüllt und ab geht es um 02:45 Uhr mit Sonja in Richtung Busbahnhof von Los Llanos, von wo die Läufer zu hunderten zum Start nach Fuencaliente gebracht werden. Dort treffen wir nun auch auf Thomas und Sigi von Never Come Back.

03:15 Uhr: los geht es mit dem Bus nach Fuencaliente; rund eine Stunde Fahrzeit. Manche Läufer nutzen die Gelegenheit, um noch etwas Schlaf nachzuholen. Ich bin mit meinen Gedanken schon beim Rennen und auch etwas nervös, da ich ja bis dato noch nie solch eine Distanz bei vergleichbaren Bedingungen absolviert habe.

04:15: Ankunft am Start. Eine kühle Meeresbrise weht uns ins Gesicht und so werden gleich die Ultralight-Jacken übergezogen, um in den nächsten Stunden vor dem Start nicht zu sehr auszukühlen. Wir verbringen die verbleibende Zeit bis zum Start mit blödem Gerede und füllen unseren Wasserspeicher, das zwingend nötig ist, da es heute noch bedeutend heißer werden sollte. Außerdem beobachten wir auch die Menschenmassen, die nach und nach am Startgelände eintreffen. Bis zum Start sollten es 1496 Gleichgesinnte sein!

05:55 Uhr: der Moderator heizt uns mit seinen Anfeuerungsparolen noch einmal richtig ein. Die Stimmung ist auf dem Höhepunkt, und die Meute ist am brodeln und kochen und zum Aus(f)bruch bereit, wie vor vielen Jahren auch die Vulkane auf La Palma; nur dass diese heute hoffentlich nicht mehr ausbrechen. Die letzte Eruption war übrigens 1971.

05:57 Uhr: so, jetzt wird noch schnell die Jacke im Rucksack verstaut, die Trailstöcke, Stirnlampe und das Rücklicht werden ein letztes mal kontrolliert und dann wird meine ganze Konzentration dem Lauf gewidmet!

05:58 Uhr: aus den Lautsprecher ertönt von AC/DC Thunderstruck, gedanklich bin ich aber schon on the Trail! ;-)

06:00 Uhr: Start. Der Menschenstrom, durch die mit Stirnlampen ausgestatteten Läufern auch mit einem Lavastrom vergleichbar, macht sich auf in die noch dunkle Nacht, um die umliegenden Vulkane zu bezwingen. Die ersten paar Kilometer ist an Laufen nicht zu denken ..... zu viele Läufer auf schmalen Trails.

Thomas und ich, die anderen beiden haben wir gleich nach dem Start aus den Augen verloren, kämpfen uns kontinuierlich im knöcheltiefen Sand bergauf. Des Tempo scheint etwas langsam, aber Zeit zum Überholen sollten wir noch genug haben. Nach gut 1h15min erreichen wir Los Canarios; die Leute neben der Strecke peitschen uns durch die Gassen. Von nun an geht es im Laufschritt weiter Richtung El Pilar, das Gelände ist nun laufbarer. Ab hier haben wir die Hälfte der Höhenmeter und ca. 25 km der Wegstrecke absolviert, es läuft wirklich sehr gut. Wir überholen die ganze Zeit, auch Sigi und Benji haben wir nun schon hinter uns gelassen. Weiter geht es mit immer noch angezogener Handbremse, da wir ja noch den ganzen Brocken vor uns haben.

Auch die Temperaturen kratzen nun schon an der 30 Grad Marke, was aber für mich nicht weiter störend ist. Viel trinken ist die Devise. Jürgen Nini - auch mit dabei - wurde kurzzeitig auch einmal von uns überholt, setzte sich aber dann mit einem Tempo, das seines gleichen sucht, wieder von uns ab. Obwohl man bei so vielen Teilnehmern kaum alleine ist, tut es gut, dass Thomas an meiner Seite ist. Leider sollte sich das dann nach ca. 40 km ändern. Thomas muss abreißen lassen, und ich mache mich von nun an alleine weiter auf den Weg Richtung Los Muchachos, der höchsten Erhebung der Insel. Hier stehen übrigens die, neben der Anlagen auf Hawaii, größten Teleskope der Welt - sehr beeindruckend!

Es läuft noch immer wie geschmiert, liegt wahrscheinlich am Gel! :-) So, die Höhenmeter liegen nun hinter mir. Ab jetzt geht es darum, den schwierigsten Teil der Strecke in Angriff zu nehmen: den Downhill zum Hafen nach Tazacorte. Mit 2426 hm und ca. 20 km Wegstrecke, glaube ich, eine einmalige Sache weltweit bei solchen Ultratrails. Vor allem ist es schwierig, solches bei uns zu trainieren. Mit lockerem Laufschritt geht es nun Richtung Hafen. Muskulär ist noch immer alles bestens, nur der Allgemeinzustand verschlechtert sich zunehmend. Ich nutzte alle Laben, die noch zur Verfügung stehen ausgiebig, um mich zu stärken, aber vor allem um mich zu kühlen .... Was literweise Wasser über den Kopf und Körper bedeutet.

Auf dem Weg nach unten treffe ich auch wieder einen Altbekannten: Jürgen sitzt auf einem Stein und massiert seine geschundenen Beine.

„Los Jürgen! Weiter geht es! Rasten können wir im Ziel!" motiviere ich ihn und ab sofort geht es zu zweit Richtung Hafen. Leider muss auch Jürgen nach ein paar Kilometern wieder abreißen lassen. Endlich, der Hafen von Tazacorte ist erreicht. Jetzt nur mehr gut 3 km mit 300 hm - aber die haben es in sich. Durch ein ausgetrocknetes Bachbett geht es zuerst in Richtung des letzten Anstieges bei gefühlten 35 Grad. Meine Beine sind schwer wie Blei und ich mag nicht mehr.

Der einzige Lichtblick in diesem Moment ist Sonja, die ca. einen Kilometer vor dem Ziel mit der Österreichfahne auf mich wartet. Unglaublich, der letzte Hügel liegt nun hinter mir, und ich kann die zwei Kilometer lange Hauptstraße nach vorne blicken. Irgendwo dort steht meine Sonja!

Den Tränen nahe laufe ich nun dem ersten Ziel, Sonja, entgegen. Links und rechts von mir hunderte von Menschen. Abklatschen mit Kindern und Erwachsenen, die sich mit einem freuen. So was habe ich noch nie erlebt. Da ist sie ja! Kurz stehen bleiben, Kuss, Fahne nehmen und weiter geht es mit beiden Händen in der Höhe dem Ziel entgegen. Ein tranceähnlicher Zustand überkommt mich und so überquere ich nach 10:36:57 min als 115ter von 1496 Startern das Ziel.

Danke Sonja für deine Unterstützung in allen Belangen!!

Gratulation an dieser Stelle an Thomas, Benji, Sigi und Jürgen zu den erbrachten Leistungen.

Bei den Herren konnten sich der Spanier Luis Alberto Hernando in einer Zeit von 6:52:39 min durchsetzen; abartig!

Die Damenwertung ging erwartungsgemäß an die Freundin von Trailmaschine Kilian Jornet, Emelie Forsberg. Sie benötigte 8:32:59 min!

Trailige Grüße,

Matthias

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